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Geschichte des Laupheimer Parkbads


von Sabine Maucher


In der Hitze der Sommertage suchen wieder viele Laupheimer und Gäste im hiesigen
Freibad Abkühlung und Erfrischung. Den wenigsten wird dabei bewusst sein, dass
sie sich, zumindest in dem Bereich des Badesees, auf historischem Gebiet bewegen.
So wird in dem Erläuterungsbericht des Städtischen Bauamtes vom April 1933 bereits
auf einen Stadtentwicklungsplan vom Oktober 1929 hingewiesen, in welchem
die Schaffung eines sogenannten „Stadtparks im Herrenmahd mit Spiel- und Sportplätzen,
sowie einer Schwimmbadanlage“ vorgesehen war.
Diese Idee wird in dem oben erwähnten Bericht neu aufgegriffen und mit genauen
Angaben zu dem geplanten Schwimmbad projektiert:
Darin vorgesehen ist ein See zum Aufstauen und gleichzeitigem Erwärmen des
Laubachwassers, um die rasche Füllung (man höre und staune) eines betonierten,
18 m breiten und 50 m langen Schwimmbeckens zu gewährleisten. Das Schwimmbad
soll in Schwimmer- und Nichtschwimmerbereiche unterteilt werden; die größte
Tiefe von 3,00 m soll sich unter einem 3 m hohen Sprungturm befinden. Für Kinder
wird ein eigenes halbkreisförmiges Planschbecken mit 12 m Durchmesser und einer
Wassertiefe von 25 – 50 cm vorgesehen. Für Sportveranstaltungen kann die Tiefe im
gesamten Becken um 20 cm vergrößert werden.
Der See ist mit einer Fläche von 6200 qm geplant, seine Länge soll 150 m und seine
Breite 70 m betragen, und er soll sofort nach Einlaufen des Wassers benutzbar sein,
„um einen getrennten Badebetrieb im Wechsel mit dem eigentlichen Schwimmbecken“
zu ermöglichen. Auch hier ist für Familien mit Kindern ein kleiner, vollständig
abgeschlossener Bereich am Stausee eingeplant.
Um das neugeschaffene „Strandbad“ rentabel zu betreiben, wird in dem Bericht die
Verpachtung als Fischwasser, das Befahren mit Ruderbooten, sowie in den Wintermonaten
die Benutzung als Eisbahn vorgesehen.

See


Der Lageplan von 1934, gut zu erkennen ist der Stau- bzw. Badesee, links unten das
Schwimmbecken mit der halbkreisförmigen Aussparung des Planschbeckens.
Für weitere Annehmlichkeiten während des Badebesuchs sind 68 Kabinen zum Anund
Auskleiden für das Strandbad und 120 Einzelkabinen für das Schwimmbecken
vorgesehen. Der Eingang mit Kassenbetrieb und Wäscheausgabe ist im Erdgeschoss
des Turmbaus untergebracht, als i-Tüpfelchen und „um allen auftretenden
Wünschen gerecht zu werden, sind im östlichen Ende des Mittelbaus Erfrischungsräume
eingerichtet, in welcher jeder Besucher des Bades an der Durchreiche Kaffee
und sonstige Erfrischungen“ abholen kann. Hier haben wir die Anfänge unserer heutigen
Schwimmbadkneipe!


BW_See


Blick vom „Badesee“ auf die Umzugskabinen sowie den hölzernen Turmbau (Eingangsbereich)
In dem Bericht vom April 1933 ist sogar die ursprüngliche Farbgebung des Bades
festgehalten: „... sämtliche Fensterläden erhalten einen laubgrünen Anstrich, Balkenköpfe,
sowie Terrassen- und sonstige Geländer einen roten, was mit der Holzschalung,
zusammen mit der Spiegelfläche des Wassers einen farbenfrohen Eindruck
machen wird ...“ Wie man sieht, wurde hier durchaus auch auf eine optisch ansprechende
Wirkung geachtet!


Um das Ensemble abzurunden sind, sind auf den umgebenden Wiesen zwei(!) Tennisplätze
(wer spielte 1933 eigentlich in Laupheim Tennis?) sowie Spiel und Sportplätze
für den Verein „Olympia“ mit eingeplant.
Alles in allem ist dieser kühne Entwurf der Stadtväter von Laupheim mit der Größe
seiner Anlage und den darin enthaltenen Einzelheiten seiner Zeit um vieles voraus.
Verwirklicht wurde dann allerdings nur der Badesee, er ist bis heute Teil des (wieder)
gerne aufgesuchten Naturbades. Es dauerte bis ins Jahr 1996, als nach zähem Ringen
im Gemeinderat von der Stadtverwaltung schließlich das heutige beheizte Außenbecken
des Freibades eingerichtet wurde.


Open


Die ursprünglichen Badezeiten aus der Schwimmbadordnung von 1934. Zwei Dinge sind daran bemerkenswert:
Zum Einen wird das Bad bereits als „Familienbad“ bezeichnet, zum Anderen gibt es,
(wohl für die verschämteren Besucher) getrenntes Baden für Männer und Frauen.


Fontne


Noch einmal „eine Partie am Strandbad“. mit Blick auf die Fontäne und Gebäude im Laubachweg, im
Hintergrund die Kirche St. Peter und Paul.
Dazu der Bericht von 1934: „Im östlichen Teil des Stausees ist eine kleine Insel vorgesehen,
welche durch Fassung einer Quelle im Staudesgässle in einer besonderen
Druckleitung in der Mitte einen Springbrunnen mit einer Wasserlieferung von
15 Liter/Sek. enthält“.




Quellen:
Erläuterungsbericht über den geplanten Stadtpark Herrenmahd
AR Stadt Laupheim, Bü 565
Badezeiten
AR Stadt Laupheim Bü 571
Lageplan Freibad
AR Stadt Laupheim Bü 565

© Sabine Maucher

 

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